5 Strategien, in einer dünn privilegierten Welt – dem eigenen Körper Respekt zu zollen

Als Fitnesscoach höre ich oft Dinge wie:

  • „Ich kann meinen Körper in dieser Größe einfach nicht akzeptieren.“
  • „Ich muss abnehmen, damit ich mich sicherer fühlen kann.“
  • „Ich werde anfangen, auszugehen, mich für einen neuen Job zu bewerben, diese neuen Kurs versuchen, usw.), nachdem ich mein Zielgewicht erreicht habe.“
Das Problem mit diesen Aussagen und der Fantasie darüber, wie toll das Leben in kleinerer Größe sein wird, ist, dass sie unser Leben auf Eis legen, dass sie die Gewichtsverzerrungen in unserer Kultur aufrechterhalten, und sie unterstützen den Glauben, dass wir unseren Körper nur durch den Verlust von Gewicht akzeptieren können.
“Wenn Leute sagen, dass sie abnehmen wollen, meinen sie oft, dass sie respektiert werden möchten. Ich will geliebt werden. Ich möchte gesehen werden. Ich möchte Befreiung von Angst und Selbsthass. Die Gewicht-Verlust-Kultur wird uns diese Dinge niemals geben, weil sie auf Angst / Hass-basierten Systemen wie Sexismus, Rassismus und Klassismus beruht.” – Virgie Tovar, Fat activist

Leider leben wir in einer dünn privilegierten Gesellschaft. Das bedeutet, dass man, wenn man in einem kleineren Körper lebt, Privilegien und Zugang zu Dingen erhält, die nicht in einem größeren Körper vorhanden sind. Thin Privileg sieht wie folgt aus:

  • In der Lage zu sein, preiswerte und in-style Klamotten in deiner Größe und in jedem Geschäft zu finden, das Sie besuchen.
  • Aufgrund Ihres Gewichts werden keine negativen Gesundheits-annahmen über Sie gemacht.
  • Sie erhalten keine Kommentare darüber, was Sie bestellen, während Sie in einem Restaurant sind oder für das, was Sie in Ihren Einkaufswagen gelegt haben, beurteilt werden.
  • Von der Gesellschaft attraktiver gefunden zu werden.
  • Es ist wahrscheinlicher, eine Gehaltserhöhung oder Beförderung bei der Arbeit zu bekommen.
  • Deine Körperform nicht von den Medien als Teil einer „Epidemie“ beschrieben zu wissen. [1]
Du hast gut reden- du bist ja schlank!

Ja das ist richtig, aber meine Kunden sind es oft nicht- ich arbeite auch mit Menschen die richtiggehend dünn- aber trotzdem nicht zufrieden sind. Es geht eben nicht um die Waage, das Volumen, die Fülle und die Kilos- ES geht um dich!

Und da ist es egal, wie schlank du bist, wenn du immer noch mit kritischen Selbstgesprächen, Vergleichen und innerem Urteilsvermögen kämpfst.

Wie du wahrscheinlich weisst, ist die Beziehung, die du mit deinem Körper hast, komplex und entwickelt sich ständig. Du wirst dich wahrscheinlich nie jeden Tag selbst lieben können. Du kannst jedoch lernen, deinen Körper mit Respekt zu behandeln, egal wie du dich am Tag fühlst.

Im Folgenden sind fünf Strategien für den Einstieg.
Achtung: Diese Arbeit ist nicht einfach und die Art und Weise, wie du dich selbst behandelst, wird sich nicht über Nacht einstellen, aber zumindest hast du bessere Chancen, den “Körper-Respekt” zu kultivieren, als einen nachhaltigen Gewichtsverlust durch Diät!

Bacon, L, PhD, and Aphramor, L, PhD, RD, Body Respect, Dallas:BenBella Books 2014.

1. Betrachten Sie Ihre Kleidung

Schau in deinen Schrank. Wie viel Prozent der Kleidungsstücke passen zu deinem Körper? Welche Kleider trägst du eigentlich gerne? (hier ne kleine Hilfe – Ratgeber Kleiderschrank )

Jedes Mal, wenn du dich in etwas hineindrücken musst oder wenn du dein Hemd, deine Hose oder dein Shirt während des Tages mehrmals zurechtrücken musst, ist es nicht nur unangenehm, sondern es gibt dir die Botschaft, dass du deinen Körper verändern musst.

Kleidung zu tragen, die passt, ist ein Akt des Körper-Respekts. Das Hassen und Ablehnen deines Körpers hat bisher nicht gut funktioniert, also warum ziehst du dich nicht bequem an?

Experiment: Miste mal aus. Spende (oder verstaue anderswo, wenn du dich nicht komplett lösen willst) all die Kleider, die nicht passen oder die du eh nicht magst.

2. Spaß an Bewegung

Wenn du deinen Körper auf eine Weise bewegst, die Spaß macht und dich stärkt, verbindest du ein gutes Gefühl mit Bewegung. Dies hilft, den Fokus weg von wie ich es nenne „kosmetischer Fitness“ oder der “Bewegung” weil es eben wieder Dienstag ist- zu bekommen. Es ist viel wahrscheinlicher, dass wir eine Bewegungsroutine fortsetzen, wenn wir es insgesamt positiv finden, wenn wir es nur tun, um Kalorien zu verbrennen und Gewicht zu verlieren- dann ist es immer wieder ein Kampf.

“Aber am Ende eines langen Tages habe ich Schwierigkeiten mit meinem Training anzufangen, egal ob ich es mag oder nicht.”
Willst du sagen, dass ich mich immer motiviert fühlen werde, wenn mir Bewegung oder die Workouts Spass machen?

Nein, es bedeutet nicht, dass es leicht sein wird, aber wenn man Spass hat an Bewegung, wenn man bemerkt das Treppensteigen leichter fällt, Sonntag Morgens erst mit einem kleinen Lauf beginnt- Schwimmen einfach toll ist- dann weisst du von was ich rede. (hier kannst du lesen wie ich mich motiviere)

Experiment: Wenn die Bewegung keinen Einfluss auf Ihre äußere Erscheinung hätte, welche Art von Bewegung und wieviel würde sich am besten anfühlen? Was würdest du am meisten genießen?
Kleiner Tipp: Beginne gleich am Morgen mit Bewegung- starte mit 5 bis 10 Minuten- die du eher aufstehst- die sich aber so lohnen- glaube es mir.

3. Übe Selbstmitgefühl

Jedes Mal, wenn du in den Spiegel schaust, dein innerer Kommentar etwas in Richtung „hässlich“ schreibt und dann ein bisschen kneifen und stochern geschieht, verewigst du den Glauben, dass dein Körper anders sein sollte.

Kristin Neff gehört zu den führenden Forschern für Selbstmitgefühl. Neffs Forschung zeigt, dass „Selbstmitgefühl mit intrinsischeren Motivations-, Lern- und Wachstumszielen, Neugier und Erforschung und weniger Angst vor Versagen verbunden ist“ [2]. Es hilft Menschen, das Körperbild und das Essverhalten zu verbessern.

Aber ist Selbstmitgefühl nicht nur eine Entschuldigung dafür, nicht gesund zu sein?

Ganz im Gegenteil. Wir kümmern uns nicht um Dinge, die wir hassen oder nicht mögen. Wenn wir nur unsere Körper kritisieren und beurteilen, fühlen wir uns schlechter. Wenn wir aufhören uns zu “(Ver)Urteilen”, können wir das, was wir beobachten, eher annehmen- oder sogar ehren, ohne in Selbstzweifel und Eigenkritik stecken zu bleiben.

Experiment: Übe eine Woche lang, deine negativen Selbstgespräche zu neutralisieren.

Statt: „Urgh mein Bauch ist so fett. Ich hasse mein Muffinoberteil.“

Versuch: „Mein Bauch ist weich. Meine Hose fühlt sich unwohl an meinem Bauch an. „Und dann ziehe eine Hose an, die sich bequemer anfühlt, oder gehe vom Spiegel weg und verschiebe deinen Fokus auf deine nächste Aufgabe. Du bist nicht perfekt und das ist gut so.

2 www.SelfCompassion.org

4. Überdenke dein Social Media Verhalten

Täglich beschäftigen wir uns mit sozialen Medien, manche mehr als andere. Medienbilder sind voll von „Fitspiration“, Bildern von „idealen“ Körpern, die einen gesunden Lebensstil anregen sollen. Medienbilder spiegeln im Allgemeinen meist fit, weiß, cis-geschlechtliche Individuen wider.

Im Jahr 2016 haben zwei australische Psychologen eine Meta-Analyse von 20 bereits veröffentlichten Studien zu sozialen Medien und Körperbildern durchgeführt [3]. Die Studien zeigten, dass die Nutzung einer Social-Networking-Website mit einer Zunahme von Essstörungen und Körperunzufriedenheit verbunden war.

Während die Forschung noch immer dazu beiträgt, diese Art von Befunden vollständig zu verstehen, waren die Ergebnisse bisher alarmierend.

Experimentiere mit einer Bewertung deiner sozialen Medien (Instagram, Facebook, Zeitschriften, die du abonniert hast, Fernsehsendungen, die du schaust, usw.). Über welche Nachrichten kommunizieren die Bilder? Welche Art von Körper siehst du hauptsächlich? Wie fühlst du dich in deinem Körper?

5. Wähle Intuitives Essen

Intuitives Essen ist eine Art zu essen, die nichts mit Diäten, Essensplänen, Disziplin oder Willenskraft zu tun hat. Es geht darum, wieder mit deinen inneren Hunger- und Fülle-Signalen in Kontakt zu kommen und zu lernen, deinem Körper wieder zu vertrauen. Es ist viel einfacher, eine Art der Ernährung einzuhalten bei der es darum geht, sich in Bezug auf Zufriedenheit und Sättigung wohl zu fühlen.

Wenn du eine Diät machst, fühlst du dich wahrscheinlich entweder hungrig oder eingeschränkt, eher unbehaglich satt nach einem „Cheat day“ oder komplett verloren nach dem ungewollten „Ende der Diät“. Wenn du eine Diät machst, sendest du die Botschaft auf einer konstanten Basis, die dein Körper braucht um dünner zu werden. Es nimmt dir auch den mentalen und emotionalen Raum, den du anderen wichtigen Dingen in deinem Leben widmen könntest.

“Aber wenn ich äß, was ich wöllte, würde ich viel Pizza und Eis essen und würde exponentiell wachsen!”

Es gibt einen Unterschied zwischen dem rebellischen inneren Kleinkind, das die ganze Zeit alles will, und dem mitfühlenden Elternteil, der den Unterschied zwischen physischem Hunger und emotionalen Bedürfnissen versteht und sie ausbalancieren kann.

Experiment: Wenn Essen keine Auswirkungen auf Ihr äußeres Erscheinungsbild hätte, welche Arten von Nahrung und welche Mengen würden sich am besten anfühlen? Was würde dich befriedigen?

3 Holland, G, and Tiggemann, M, A systematic review of the impact of the use of social networking sites on body image and disordered eating outcomes, Body Image, Volume 17, pages 100-110, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1740144516300912

Fange an, dich wieder mit deinen inneren Hunger- und Fülle-Signalen zu verbinden. In den nächsten zwei Tagen frage dich vor und nach den Mahlzeiten -miss deinen Hunger auf einer Skala von 1 bis 10. Wie fühlen sich die Empfindungen von Hunger und Fülle an?

Die Beziehung, die wir zu unserem Körper haben, entwickelt sich ständig und komplex. In einer Kultur, die uns ermutigt, immer dünner und schöner zu sein, kann die respektvolle Behandlung unseres Körpers eine radikale Tat sein! Dies hilft dabei, nicht nur einen größeren gesellschaftlichen Wandel zu schaffen, sondern ermöglicht auch mehr Freiheit in deinem Leben und eine positive Körperinspiration für deine Mitmenschen.

Wusstest du, dass in einigen Ländern bis zu 81 Prozent der Frauen mit ihren Körpern unzufrieden sind? Frauen auf der ganzen Welt haben es schwer, sich in ihren Körpern wohl zu fühlen, was tiefgreifend beeinflusst, wie sie ihr Leben leben und sich der Welt zeigen. Das Schlimmste ist, dass sie nicht einmal wissen, dass es möglich ist, sich anders zu fühlen.

Wir sind verpflichtet, das zu ändern.