Lassen sich Schmerzen einfrieren?

von | Sep 3, 2018 | Bewegung | 0 Kommentare

Minus 110 Grad

Was passiert eigentlich wenn man in einem Raum ist, der eine trockene Kälte versprüht die bei Minus 110 Gad Celcius liegt?

Das es solche „Kältekammern” gibt ist mir nicht neu- meine Mutter, an einer noch nicht erklärbaren Gelenkschmerzkrankheit erkrankt, hatte die Kältetherapie von ihrem Arzt verschrieben bekommen.

„Das Gehirn vergisst den Schmerz und hat anderes zu tun…“ erklärte sie mir.  Seit dem ich mich mit der „Wim Hof Methode“ auseinander setze und ich mich dadurch fast jeden Tag mit Kälte beschäftige- habe ich verstanden was sie damit meinen könnte.

 

 

Warum soll das denn nun gut sein?

 

Die sog. Kryotherapie also Kälterherapie soll angeblich bei Rheuma- und Schmerzpatienten, Menschen mit Schlafstörungen, Depressionen oder Burn-Out-Syndrom sowie für Patienten mit Hauterkrankungen helfen.

In speziellen Fällen werde die Schmerzfreiheit zu Physiotherapie genutzt. Man ist tatsächlich beweglicher und ich konnte mich danach sehr gut dehnen.

Antientzündliche Prozesse im Körper würden gefördert, es zeigen sich wohl positive Effekte auf muskuläre Enzyme.

Ein schmerzhemmender Effekt sei nachweisbar, schreibt Josef Hermann von der Medizinischen Universität Graz in einem Übersichtsartikel in der „Zeitschrift für Rheumatologie“.

„Geht ein Patient mit Verspannungen im Nacken in die Kältekammer, wird die Muskulatur eigentlich weniger gut durchblutet. Doch beispielsweise in verspannten Arealen sorgt der Körper weiterhin für eine optimale Durchblutung. Tritt man aus der Kältekammer heraus, kommt es zu einem thermischen Ausgleich, bei dem die Durchblutung im gesamten Körper angeregt wird. Diese Wärme kommt im Problembereich hinzu, sodass sich dieser als stark durchblutet zeigt.“ – Die Verspannung ist weg.

Im Eis ist alles gleich- alles egal- nur hat man bei Minus 110ª weniger Tiefenwirkung

 

Was ist zu beachten?

Mundschutz, Handschuhe und Socken sowie eine Mütze oder ein Stirnband was die Ohren schützt ist sinnvoll und wird auch verlangt. Dann wird entweder ein ärztliches Attest verlangt oder aber wie bei uns geschehen- der Blutdruck wird gemessen. Ist dieser zu hoch kommt man nicht in den Genuss der Kälte.

Bei Kreislaufproblemen oder Gefäßbeeinträchtigungen sind der normale Schutz des Körpers in der Kälte und die anschließende Wiedererwärmung nicht gewährleistet. Deshalb wird bei diesen Erkrankungen von einer Therapie abgesehen.

 

Das Ziel: drei Minuten bei minus 110 Grad

 

Als alle Vorbereitungen für unseren Besuch in der Kältekammer abgeschlossen sind, stehe ich in Shorts und Winterschuhen, mit Mütze, Handschuhen und Mundschutz vor der Kälteanlage. Sie ist in zwei kleine Kammern unterteilt, die wie kleine Saunen aussehen und je ein Fenster haben, damit sich Patient und Therapeut zur Sicherheit sehen können.

In der ersten Kammer herrschen minus 60 Grad. Hier soll sich mein Körper an die Kälte gewöhnen. Von rund 20 Grad Zimmertemperatur kommend, schocken mich bereits die ersten 80 Grad Temperaturunterschied gewaltig.

Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass es noch kälter geht. Nach 30 Sekunden treten wir durch die Tür in minus 110 Grad.

 

Mein erster Gedanke in der Kältekammer:

„Boah das ist kalt!“

Ich laufe sofort vor und zurück- viel zu schnell wie mir unser Kältecoach sagt, das wird zu kalt auf der Haut. Ich befolge tapfer die Anweisungen und gehe jetzt langsam vor und zurück.

 

Die Luftfeuchtigkeit liegt unter einem Prozent. Das macht die Kälte erträglich. Die Augen sind aber dank der Lipidschicht im Tränenfilm zum Glück weiterhin befeuchtet. Eine Armbanduhr wäre wahrscheinlich nach kurzer Zeit kaputt.

Der menschliche Körper würde je nach Muskelanteil nach circa acht Minuten aufgeben. Und genau das erzählt mir Sebastian jetzt- „…stell dir vor du hängst an der Nordwand- …“ Ich komme aus diesen Film nur schwer raus- Kein Hubschrauber der dich rettet- nur die Kälte und ich… Gedankenkarussel geht los- von meinen Erfahrungen im Eisbad weiß ich, das Kälte über den Kopf zu dir kommt- ich reiße mich zusammen- fokussiere meine Mitte und sehe meinen leuchtenden Ball im Brustkorb.

„Nur noch 10 Sekunden„ -dröhnt es durch die Gegensprechanlage.

Endlich- raus gehen

Auf meiner Haut habe ich eine gemessene Temperatur von 14 Grad- was bei Sportlern normal ist- denn Muskeln durchbluten viel besser als Fettgewebe.

Wie ein Körper auf die Temperaturen reagiert, lässt sich nicht vorhersagen. „Bis minus 70 Grad reagiert jeder Körper mit den gleichen genetisch festgelegten Mechanismen“, erklärte mir unser Kältecoach. Um nicht auszukühlen, leitet der Körper möglichst viel Blut aus der Peripherie in den Rumpf.

Denn da wird eine Temperatur von 37 Grad gehalten.

Für minus 110 Grad hat die Natur aber keinen eindeutigen Plan mitgegeben, und jeder Körper muss seine eigene Strategie entwickeln.

Kälte die schmerzt

 

Und danach?

Ich fasse das mal so zusammen: man kommt da raus (Temperaturunterschied von 130 Grad)- ist euphorisiert, wach, zufrieden, flexibel und man strahlt als hätte man die Nordwand wirklich geschafft.

Dann folgt eine Müdigkeit die kaum zu bewältigen ist- und na klar Hunger- denn man hat so ca. 500 Kalorien verbraucht.

Informationen

Die Ganzkörper-Kältetherapie (GKKT) gibt es schon seit den 80er Jahren und geht auf einen japanischen Arzt T. Yamauchi zurück, der die Methode zur Behandlung der Rheumatischen Arthritis eingeführt hat.

Die Kältekammern in Deutschland sind generell für Selbstzahler frei zugänglich und werden hauptsächlich von Rehakliniken betrieben. Generell übernehmen die Kassen die Kosten nicht und eine ärztliche Kontrolle ist nicht vorgeschrieben. Allerdings sollte vor einem Besuch in der Kältekammer ein ausführliches Anamnese-Gespräch, Messung von Blutdruck sowie Puls, ein Ausschluss von kontraindizierten Beschwerden stattfinden.

Also nichts wie rein da- es ist der Hammer und es hilft wirklich bei so vielen Beschwerden.

Stay cold- stay tuned!

Hier geht es zum Youtube Video.

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